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Verdingkinder

Der Skandal um die Verdingkinder zeigt uns in erschreckender Weise, was passieren kann, wenn einzelne Personengruppen nicht mehr als gleichberechtigte Mitglieder unserer Gesellschaft gelten. Dann steht die Tür offen für Missbrauch jeder Art.


2013 wurde das Unrecht, das die Verdingkinder erlitten haben, endlich anerkannt. Jahrzehntelang wurden zehntausende Kinder von ihren Eltern getrennt und auf Bauernhöfen, in Heimen oder sogar in Strafanstalten fremdplatziert, und das bis 1981. Viele wurden misshandelt oder sexuell missbraucht.


Ich habe mich im Nationalrat und als Präsidentin des Vereins «Agir pour la dignité» dafür eingesetzt, dass dieses unermessliche Leid anerkannt wird und die Opfer entschädigt werden. Die Schweiz hat sich 2013 offiziell dafür entschuldigt; es wurde ein runder Tisch auf die Beine gestellt; die Opfer wurden rehabilitiert und das AFZFG, also das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981, ist 2017 in Kraft getreten.


Dank dem neuen Gesetz wurde ein Solidaritätsfonds mit 300 Millionen Franken zugunsten der Opfer geschaffen. Mehr als 9000 Entschädigungsgesuche wurden eingereicht. Nach anfänglicher Verzögerung dürften alle Auszahlungen tatsächlich bis Ende 2019 abgeschlossen sein. Zudem hat eine Expertenkommission eine umfangreiche wissenschaftliche Aufarbeitung durchgeführt: 2019 werden zehn Studien veröffentlicht, eine Wanderausstellung geht durch zwölf Städte und didaktisches Material wird den Schulen zur Verfügung gestellt. Dies auch um gegen das Vergessen zu kämpfen, im Wissen, dass sich die Geschichte wiederholen könnte...




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